Wenn die Hände denken
Wir glauben oft, das Üben findet nur an der Flöte statt. Wir feilen an der Technik, wiederholen Passagen und suchen nach dem perfekten Klang. Und dann gibt es noch den oft vergessenen Nachklang in unserem Nervensystem. Der Moment, der nach dem eigentlichen Spiel liegt: wenn wir zum Stift greifen und unsere Übe-Erlebnisse handschriftlich reflektieren.
Handschriftlich ist das Entscheidende, weil unsere Hände beim Schreiben mehr tun, als nur Buchstaben zu produzieren – sie denken.
Die neuronale Magie der Handschrift
Die Wissenschaft zeigt uns, dass das Schreiben von Hand ein komplexer neurologischer Vorgang ist, ein Vorgang, der unser Gehirn auf eine Weise fordert, die das digitale Tippen nicht leisten kann. Wenn wir den Stift über das Papier führen, geschieht weit mehr als dass wir ein Protokoll schreiben.
Reflektieren und Verlangsamung als Intensivierung:
Schreiben ist langsamer als Denken. Diese physikalische Begrenzung ist ein Segen. Sie zwingt uns, unsere musikalischen Eindrücke und Übe Sequenzen zu sortieren.
Wir priorisieren: Was war wirklich wichtig? Welches Gefühl in der Hand war entscheidend? Welche Stelle können wir nicht im Flow spielen? Beim Schreiben führen wir fühlen und denken zusammen. Die Lernergebnisse und dein Fortschritt werden bewusste Gedanken. Dein Spielfortschritt wird so nachhaltig verinnerlicht.
Die motorische Verknüpfung: Beim Handschreiben aktiviert unser Gehirn motorische Areale, die eng mit den Bereichen für Sprache und Gedächtnis verknüpft sind. Die Bewegung der Hand auf dem Papier „verankert“ das Gelernte. Es ist, als ob wir das Erlebnis des Übens noch einmal physisch durchleben – eine zweite, mentale Übe-Einheit, die das Wissen tiefer in unser Nervensystem prägt. Es ist als würden wir es in unser ganzheitliches Nervensystem einfräsen.
Intuition trifft Struktur: Mit dem Übe-Journal verbindest du die intuitive Welt des Musikmachens mit der kognitiven Ebene des Denkens und der Sprache. Indem deine Hand die Wörter formt, ordnest du das Chaos deiner musikalischen Eindrücke. Das Journal wird so zum Spiegel deiner eigenen Entwicklung.
Warum das Journaling Teil des Übens ist
Das Journal schreiben ist keine administrative Nachbereitung, sondern ein integraler Bestandteil deiner Übe Praxis.
Wenn du niederschreibst, wie sich die Querflöte angefühlt hat, arbeitest du aktiv an deiner musikalischen Wahrnehmung. Du machst dein bereits „verinnerlichtes Wissen“ – also das, was deine Finger beim Spielen haptisch bereits verstanden haben – zu deinem immer abrufbaren Wissen.
Drei Anregungen für dein Journal
Um diese besondere neuronale Verbindung zwischen Hand und Gehirn beim Schreiben voll auszuschöpfen, probiere beim nächsten Journal-Eintrag diese Ansätze:
Die haptische Erinnerung:
Versuche nicht zu beschreiben, was du geübt hast, sondern wie es sich angefühlt hat. Beschreibe die Bewegung der Finger; wo sind noch Blockaden; wie war deine Tonqualität; wo hat die Rhythmik den Flow unterbrochen; kurz: alles was du fühlst und wahrgenommen hast. Lass deine Hand auf dem Papier beschreiben, was du beim Flötespielen erlebt hast.
Keine Korrektur:
Schreibe fließend. Wenn deine Hand schreibt, ist sie oft direkter mit deinem Unterbewusstsein verbunden als dein analytischer Verstand. Erlaube dir, Gedanken zuzulassen, die vielleicht noch nicht fertig formuliert sind.
Die visuelle Spur: Betrachte dein Geschriebenes nach einer Woche erneut. Allein durch das Wiederlesen deiner eigenen Handschrift wirst du dich nicht nur an den Inhalt erinnern, sondern oft auch an das körperliche Gefühl, das du während des Schreibens hattest.
Die Flötenjournal-Essenz
Wenn du das Übe-Journal nutzt, machst du dir die Intelligenz deiner Hände zunutze.
Das Schreiben ist die Brücke, über die die Erfahrungen deiner Finger in dein bewusstes Wissen wandern.
Wenn die Hände beim Schreiben denken, wird das Übe-Journal zu einem Ort, an dem deine musikalische Intuition Gestalt wird.
Es ist der Moment, in dem die Musik, die du geübt hast, endgültig ein Teil von dir wird.
Und weil das so wichtig ist, habe ich mit viel Vorbereitung und Struktur, extra für FlötenspielerInnen ein Flöten-Journal entworfen und veröffentlicht.
Alle Inhalte, Informationen und wie du es erwerben kannst, findest du über den nachstehenden Button:
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